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Charlie P´s – Das Irish Pub mit Haubengastronomie

Charlie P´s – Das Irish Pub mit Haubengastronomie

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Charlie P´s - FoodpairingIch bin schon ein paar Mal im Charlie P´s in Wien gewesen, als Irish Pub ist es sicher eine der Institutionen der Stadt, mehr als Burger habe ich da aber nie gegessen. Wenn ich mich jetzt frage warum, dann kann ich mir das selbst nur so beantworten, dass ich gar nicht damit gerechnet habe, dass es hier mehr gibt. An Spitzengastronomie hätte ich nie im Leben gedacht. Aber im Leben gibt es offensichtlich so Momente, die man selbst nur schwer erklären kann. Das Charlie P´s war 2014 das erste Irish Pub weltweit, das von den von Gault Millau Restaurantkritikern mit einer Haube ausgezeichnet wurde. Respekt!

Eingeladen von Betreiber Brian Patton, der auch für andere sehr Craftbier affine Lokale, wie das Brickmakers, verantwortlich zeichnet, hatte Freunde, Bekannte, Partner und Journalisten zu einem Abend geladen, an dem die neue Speisekarte des Charlie P´s zusammen mit Bierbegleitungen getestet und bewertet werden sollte. Dazu hatte seine „The Culinary Loveband“, wie sich das kulinarische Team um Brian nennt, in den Dining Room im Charlie P´s geladen.

Die Leidenschaft für Bier ist spätestens seit letztem Herbst auch dem hart gesottensten Verweigerer durch die Austrian Beer Week im Brickmakers bekannt geworden. Hier hatte Brian auch sein „Outing“ als Gypsybrauer und stellte zwei Biere vor, die er dann gleich mit Szenegranden wie Reini Barta vom Brauhaus Gusswerk oder Peter Krammer aus der Brauerei Hofstetten eingebraut hatte.

Vier mal Zwei gleich Eine Haube

Charlie P´s - FoodpairingDas Prinzip des Abends war relativ einfach: Vier Gänge mit je zwei Bieren, verbunden mit der Frage: Welches passt besser?

Und mit den Bieren hatte man es den Gästen nicht immer einfach gemacht. Birgit Rieber, die zusammen mit Brian durch den Abend führte und in Bezug auf Foodpairing ja auch mit exzellenter Expertise aufwarten kann, freute sich schon auf den ersten Gang. Denn beim warmen Salat mit roten Rüben, Karotten, Ziegenkäse und Haselnüssen stand entgegen aller klassischen Regeln früh am Abend ein Oatmeal Stout gegen das vermeintlich passendere Blanche de Bruxelles im bierigen Duell. Gut so, denn die Meinung war eindeutig gegen die Regel. „Reini the Roaster“, so der Name des von Brian im Gusswerk gebrauten dunklen Bier, ging als recht eindeutiger Sieger aus diesem Match hervor.

Charlie P´s - FoodpairingDer zweite Gang war dann wirklich etwas für mich. Ich bin kein großer Fischesser, wenn aber doch, dann ist Lachs ganz vorne mit dabei auf meiner persönlichen Hitliste. Der schottische Lachs, der auf den Tisch kam war schlicht das Beste was ich seit langem gegessen hatte. Angerichtet mit Artischocken, Kohlsprossen, Püree und frittierten Kapern, die nicht jeder sofort identifizieren konnte, die aber unfassbar gut ankamen.

Auch hier stand mit dem Pale Ale „Hop in the Name of Love“ wieder ein Bier von Brian auf dem Programm. Angetreten gegen einen Lokalmatador aus dem Ottakringer Brauwerk, der Hausmarke No.1 – Belgisch Blond. Ich habe hier mein Kreuz bei dem Pale Ale gemacht, weil es für mich mit seinem Aromaprofil deutlich besser zu der schön angebratenen Haut des Lachs passte. Das Blond, das ein sehr gutes Bier ist, war hier für meinen Geschmack schlicht zu leicht. Auch unter den Anwesenden konnte sich kein Favorit etablieren, so dass in Folge ein gerechtes Unentschieden heraus kam.

Charlie P´s gibt dem Rund was auf die Backen

Charlie P´s - FoodpairingDas Highlight – für mich zumindest – war dann aber Gang Nummer 3. Konnte ich mir zunächst unter „Beer braised Beef Cheeks“ wenig vorstellen, so hatte ich das Glück am Tisch zusammen mit dem Manager des Hauses zu sitzen. Dieser erklärte uns den extrem zeitaufwändigen Kochprozess der geschmorten irischen Rinderbacken. Diese werden zum Beispiel fast 24 Stunden in dunkler Stout-Rotweinsauce eingelegt. Ein zeit intensives Vorgehen, das sich aber mehr als gelohnt hat. Serviert mit Steckrübenpüree, Schwarzkohl und Zwiebelringen gingen nicht nur mir schon beim Anblick die Augen über.

Wieder ganz nach Lehrbuch kam mit dem Anchor IPA aus San Francisco ein Klassiker zu Rind auf den Tisch. Ihm zur Seite stand mit dem belgischen La Chouffe Pale Ale auch kein Leichtgewicht. Als dritte – und für mich extrem spannende – Alternative kam überraschend noch ein Blaufränkischer Umathum Rotwein aus dem Burgenland dazu. Ich hätte mich vor dem ersten Bissen sicher für das IPA entschieden. Das extrem zarte und fast filigrane Fleisch hatte sich aber kein so kantiges Bier verdient, so dass ich am Ende klar auf der belgischen Seite zu finden war. Mit dem Rotwein am Tisch waren die Meinungen in alle Richtungen verstreut. Eindeutig war das Ergebnis im Raum jedenfalls ganz und gar nicht. Von den beiden Bieren hatte aber das La Chouffe leicht die Nase vorn. Erstaunlich aber auch, dass der Rotwein unter Biertrinkern hier absolut gleichwertig aus dem Rennen ging.

Wenn nix mehr geht: Das Dessert

Charlie P´s - FoodpairingWeil es so gut was hatte ich das Rind bis auf den letzten Bissen von meinem Teller entfernt. Wohl wissend, dass mich noch ein Dessert erwarten sollte. Und das kam dann auch in Form eines Schoko-Fondant mit fein gehackten Pistazien und entsprechendem Eis. Die beiden Biere dazu waren mit der Anderson Valley Gose wieder ein Bier aus den USA und dem Triple Karmeliet aus der Brouwerij Bosteels erneut ein belgisches Bier. Hier war ich mit meiner Entscheidung für das Karmelit ziemlich alleine – die Gose war hier klarer Favorit des Publikums. Für mich war das leicht salzige Bier zum süßen Dessert ein No Go. Zum Glück aber gibt es beide Biere auf der Karte des Charlie P´s.

Für mich ein toller Abend, den ich so nie erwartet hätte. Die gebotene Küche – und das sage ich mit allem Respekt vor den beteiligten Brauereien – hat alle Biere geschlagen. Das Essen war einfach nur fantastisch. Das die Gault Millau Haube bisher an mir vorbei gegangen ist, das nehme ich auf meine Kappe und schäme mich noch ein paar Tage.

Jedenfalls habe ich schon einen Tisch für ein Essen mit Freunden reserviert. Ein „Konzert“ der Culinary Loveband ist definitiv etwas, das man in Wien erlebt haben sollte. Egal ob Bewohner der Stadt oder als Tourist.

Kontakt:
Charlie P’s Pub & Dining
Währinger Straße 3
1090 Wien
+43-1-409 79 23
www.charlieps.at

 

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