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Barcelona Beer Festival 2016 – Gaudi mit Craftbier

Barcelona Beer Festival 2016 – Gaudi mit Craftbier

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Bereits zum insgesamt fünften Mal fand vom 4. bis 6. März in Spanien das Barcelona Beer Festival statt. Wie auch bei den Festen in den Jahren zuvor war hierfür eine eigene Halle im „Maritim Museum“ am Hafen der Ort des Geschehens. Auch wenn die Veranstalter, die bereits einmal die Location gewechselt hatten, nicht sicher waren, ob heuer die Kapazitäten noch ausreichend sein würden.

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Das Maritim Museum als Kulisse

Und ich bin hier auch ganz ehrlich – die spanische Craft Bier Szene ist für mich bislang ein weißer Fleck gewesen. Welche spanischen Craft Bier Brauereien exportieren denn auch schon ihr Bier nach Österreich. Die einzige mir bekannte Brauerei ist „Edge Brewing„, die von Bierfracht.AT importiert wird. Zu dieser Brauerei kommt dann aber auch ein separater Bericht, denn ich habe mir die Zeit für einen Besuch genommen.

Allein in Barcelona gibt es nach Schätzungen der Veranstalter über 200 Biermarken, die überwiegende Anzahl von denen sind aber entweder Gypsy-Brauer oder brauen in Maßstäben, die mit 50-100 Liter Sudwerken von mir eher im Hobbybraubereich verortet werden würden. Physische Braustätten, darunter auch ein paar Brewpubs, mit Produktionskapazitäten im +5 HL Bereich, welche dann auch diesen Gypsy-Brauern eine Heimat bieten, gibt es wohl so zwischen 15 und 20 in Barcelona. In der Stadt selbst ist es aber kaum zu übersehen, dass Craft Bier in der Gastronomie mehr als angekommen ist. Landet man nicht in einer der zahlreichen Touristen Tapas Fallen in denen ein 3 Grad kaltes San Miquel das höchste der Gefühle ist, dann ist eine Auswahl an handgebrauten Bieren auf der Karte eher die Regel als die Ausnahme. Dabei führt die gerade erwähnte Größe der Brauereien dazu, dass die Distribution der Biere von den Brauereien selbst gemacht wird (oder werden muss). Dies führt dazu, dass sich die Karte fast in jedem Lokal von der des Wirten nebenan unterscheidet. Ein marktbeherrschender Händler war zumindest an dem Wochenende nicht auszumachen. Dies führt zu einer schier nicht enden wollenden Biervielfalt in den Lokalen.

Das Konzept

Beim Barcelona Beer Festival ist einiges anders als bei anderen mir bekannten Festivals. Der wohl auffälligste Unterschied ist, dass die Biere nicht von den Brauern selbst ausgeschenkt werden, sondern von Mitarbeitern des Festes. Das Ganze passiert an einer Theke mit über 50 Zapfhähnen. Insgesamt gab es in diesem Jahr aber 365 Biere zu verkosten. Dies führt dazu, dass die Biere an der Theke regelmäßig wechseln – auf der anderen Seite ist aber nicht jedes Bier permanent verfügbar. Man muss halt manchmal warten können.

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Die lange Theke des BBF

Dies führt aber auch zur „Attraktion“ des Festes, denn auf einer riesigen Kreidetafel werden die Biere angeschrieben, die gerade ausgeschenkt werden. Dazu die Info an welchem Hahn. Ist ein Fass ausgetrunken, dann wird es durch ein anderes Bier ersetzt. Der Name wird weggewischt, der Neue angeschrieben und eine Schiffsglocke geläutet und auf das neue Bier gedeutet. Begleitet wird jeder Wechsel mit einem lauten Jubeln im Saal.

Die Jungs an der Tafel haben aber echt zu tun. Fast jede 2-3 Minuten kommt ein neues Bier an den Hahn. Die meisten ausgetrunkenen Biere kommen dann später oder am nächsten Tag auch noch einmal wieder – nur niemand kann so recht sagen wann. Ist ein Bier ganz ausgetrunken, dann wird auf einer Tafel darunter dieses Bier entsprechend gekennzeichnet, so dass niemand ganz umsonst wartet. Ich hätte gerne eine Meerwasser Gose getrunken – leider war ich nie zur richtigen Zeit vor Ort. Ein wenig Schade war das dann schon.

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Beer Informer

Wenn man als Neuling das Fest besuchte oder so gar keine Ahnung hatte welches Bier man denn als nächstes verkosten könnte, für den standen die „Beer Informer“ zur Verfügung. Bierfreaks, die mit gelben Westen nicht zu übersehen waren, und locker Auskunft oder Empfehlungen – was immer gerade gewünscht war – gaben. Ein extrem angenehmer Service, wenn man sich bei den Brauereien nicht wirklich auskennt. Und die hatten wirklich Ahnung!

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Verkostungsglas in Barcelona

Die Besucher bezahlten am Fest mit Jetons zu 1 €. Das offizielle Festival Glas hatte eine Größe von 0,25 l – für eine Füllung waren hier 2 bis 4 Jetons abzudrücken. Ich hatte das Glück eins der Verkostungsgläser zu haben die den „Profis“ vorbehalten waren. Es gab in dieses Glas zwar nur 0,1 l – dafür waren aber auch nur 1 oder 2 Jetons zu bezahlen und aufgrund der geringeren Menge  so die Möglichkeit deutlich mehr Biere zu verkosten. Jetons konnten jederzeit an der zentralen Kasse nachgekauft werden. Hier konnte entweder mit Kreditkarte, Handyzahlen oder bar die gewünschte Menge erworben werden. Um gar nicht erst Schlangen entstehen zu lassen hatte man auch Automaten aufgestellt, die Euro-Noten vollautomatisch in Jetons umwandelten. Eine wirklich effektive wie geniale Idee.

Die Veranstalter kaufen die Biere selbst von den Brauereien ab – der Brauer hat also sein Bier quasi schon vor dem Fest verkauft. Das Risiko für den Verkauf liegt komplett beim Veranstalter. Wobei das Wort „Risiko“ hier relativ ist. Am späteren Sonntag Nachmittag waren schon einige Hähne leer und die Vorräte gingen deutlich zur Neige.

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Jetonautomaten gegen Schlangen

Der Eintritt zu diesem Fest betrug 7 EUR. In diesem Preis war das Festival Glas, die 108 Seiten starke und extrem gut gemachte mehrsprachige Festivalbroschüre sowie 2 Jetons enthalten. Angesichts des von mir als recht niedrig empfundenen Preisniveaus in Barcelona ein angemessener Eintritt. Wobei man eben nicht vergessen darf, dass man bei den Bieren dann entsprechend tiefer in die Tasche greifen musste. Die Kritik an den großen Gläsern für das allgemeine Volk war leise, aber doch spürbar.

Mit BEVOG war die rot-weiß-rote Brauerszunft nur mit einem einzigen Brauer vertreten. Immerhin zwei Biere, das Dark IPA Rudeen und mit Kramah ein IPA,  hatte man aus Bad Radkersburg ans Mittelmeer mitgebracht. Und auch Vasja, der Brauer bei BEVOG, war immer wieder am Fest zu sehen. Hoffentlich in den nächsten Jahren von österreichischen Kollegen zum Barcelona Beer Festival begleitet.

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Meet the Brewer

Ein paar Zapfhähne in einem eigenen Bereich wurden dann auch von Gästen bespielt. Ein Stand von Brauern aus Vermont (USA) war ebenso vertreten, wie ein Stand der amerikanischen „Brewers Association“ und ein Gemeinschaftsstand aus Kanada. Hier lag es an den Brauern selbst zu entscheiden welches Bier es wann gab. Meist waren hier tatsächlich auch die Brauer hinter der Theke und standen Rede und Antwort. Für ein Wochenende Bierfest eine bemerkenswert lange Anreise für Bier und Brauer.

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Mikkeller – Ihre Biere waren da

Aber auch von den Festival Bieren gab es ein paar Brauer, die an einem „Meet the Brewer“ Stand nach einem Zeitplan ca. 1-2 Stunden für Gespräche zur Verfügung standen und gleichzeitig ihre Biere ausschenkten. Im Vorfeld hatte man hier Mikkel Borg Bjergsø von Mikkeller angekündigt, der aber wenige Stunden vor seinem mit viel Spannung Auftritt „aus familiären Gründen“ absagte. Wohl auch nicht zum ersten Mal. Schade, denn zum einen hatte Mikkeller eine ganze Batterie an spontan vergorenen Bieren im Angebot – die es natürlich trotzdem gab – und zum anderen hatte ich selbst einen Interview Termin gehabt, um den ich so leider umgefallen bin.

Aprospos spezielle Biere: Die Veranstalter hatten auch von vier heimischen Brauereien Festival Biere brauen lassen. Jede dieser Brauereien bekam den Auftrag sich entweder mit der Bierzutat „Malz“, „Hopfen“, „Hefe“ oder „Wasser“ auseinanderzusetzen und ein passendes Bier zu brauen, das die jeweilige Zutat in den Vordergrund stellte. Zu kaufen gab es dann dieses Viererpack für 10 € im Festivalshop.

Zu essen gab es übrigens von asiatischer Küche, Wraps, BBQ Burger, Pulled Pork Sandwiches bis hin zu Käseplatten alles was das Foodpairing Herz oder der leere Magen begehrte. Mit 4 – 6 EUR waren die Preise hier durchaus angemessen für die gebotene Qualität und Quantität.

Zahlen, Daten, Fakten

In Zahlen gesprochen gab es an dem Wochenende am Barcelona Beer Festival die erwähnten 365 Biere zu verkosten. Davon machten über 30.000 Besucher an insgesamt 3 Tagen Gebrauch. Aufgrund einer gesetzlichen Einschränkung der Halle bildeten sich insbesondere in den Abendstunden Schlangen bis zu mehreren hundert Metern Länge. Unglaublich eigentlich, weil die Chance das Innere zu erreichen auch nach Stunden des Wartens gleich Null war – wer drin war blieb nämlich auch drin.

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Einer der nettesten Braumeister – Vaclav Berka von Pilsner Urquell

Bei der zeitgleich stattfindenden „Barcelona Beer Challenge“ traten 515 Biere gegeneinander an. Eingereicht hatten 148 Brauereien, die zu 60% aus Spanien kamen und zu 40% aus internationalen Braumanufakturen. Gratulation an dieser Stelle an „Brew Age„, die in der Kategorie „Dark British Beer“ mit dem Oatmeal Stout „Chicxulub“ die Silbermedaille holten.

Begleitet wurde das Fest von einer Reihe von Fachvorträgen und Tasting Sessions in einem separaten und ruhigeren Veranstaltungsbereich. Vor der Halle gab es noch einen Freibereich, der tagsüber den Sonnenanbetern als Treffpunkt diente – mit 18 Grad war schon fast T-Shirt-Wetter und am Abend die Raucher anlockte. Hier legte auch ein DJ auf, der von Pilsner Urquell, die im Außenbereich einen Tankbierstand hatten, organisiert wurde. Innerhalb kürzester Zeit wurde hier unter freiem Himmel gefeiert und auch viel getanzt. In den DJ-Pausen hatten einige Gäste Instrumente mitgebracht und es kam zu spontanen Musiksessions. Echt lässig!

Fazit

Das Konzept des Barcelona Beer Festivals ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig und eigenwillig. Aber jedes Festival soll, darf und muss seine Eigenheiten haben. In Barcelona sind sicher die Brauer sehr zufrieden mit dem System. Ihr Aufwand ist extrem minimal. Natürlich ist das Fehlen einer Vielzahl von Brauern selbst am Fest dann die Folge – vielleicht sind sie da, aber man erkennt sie ja nicht immer. Die Vielzahl der Biere ist außergewöhnlich, die Biere sind sehr speziell. Ein „normales Lager“ ist schon eher schwer zu finden, wenngleich es auch das gibt.

Die Stimmung ist südländisch gelöst, unkompliziert und sehr international. Extrem viele Gäste aus dem Ausland – ob extra für das Festival angereist oder in Barcelona wohnhaft war nicht immer zu unterscheiden – prägen das Publikum.

Eine hervorragende Versorgung mit sanitären Anlagen – fast schon übliche Schlagen bei den Damen gab es schon, aber nicht wirklich lange – ich selbst musste zu keiner Zeit warten, waren sicher auch ein Plus.

Ein freies WLAN Netzwerk am Festival sorgte dafür, dass fleißig die Sozialen Medien mit Fotos und Liveberichten gefüttert wurden. Aber auch als Kommunikationsmittel am Fest für ausländische Besucher ein echtes Asset. Und natürlich freuten sich auch die vielen internationalen Journalisten und Blogger für die nicht nur ein Pub Crawl organisiert wurde bei dem man sich kennenlernte – sondern auch die über das ganze Festival hinweg eine eigene Betreuung als Ansprechpartner hatten. Mehrere nationale Radio- und Fernsehsender sendeten live vom Festival.

Für mich ist das erste Wochenende im März 2017 schon fest für das nächste Barcelona Beer Festival im Kalender geblockt. „Ens veiem l’any que ve – miro endavant

Informationen zum Barcelona Beer Festival auch im Internet auf http://www.barcelonabeerfestival.com – Dort findet ihr auch auch eine Liste der ausgeschenkten Biere.
Bilder und Eindrücke von den Besuchern auch unter den Hashtags #BBF16 oder #BCNBeerFest bei Twitter und Instagram.

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