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Auf einem „Hexenritt“ – Des Bierzauberers beste Powergose

Auf einem „Hexenritt“ – Des Bierzauberers beste Powergose

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Hexenritt-ImGlascloseupDie Liebe zu historischen Bieren ist bei „Bierzauberer“ Günther Thömmes so etwas wie das Credo seinen Schaffens – zumindest wirkt es nach außen so. Ob er nun das „Matador“ nach einem Rezept der ehemaligen Brunner Brauerei wieder auflegt, mit dem „1852 English Burton Ale“ ein Schmuckstück aus einem alten Lehrbuch wiederbelebt oder das „Aleysium Nr.5“ – seine „Milde Gose“ – braut. Alles sind Biere, die in der Bierwelt mit Recht als „historisch“ bezeichnet werden können – sowohl das Original als jetzt auch seine Interpretationen.

Dabei macht es Günther seinen Kunden nicht immer leicht. „Kompromisslos“ scheint sein zweiter Vorname zu sein. Wenn´s Dir nicht schmeckt hast Du einfach Pech gehabt. Eine Attitüde, die in dieser Ausprägung wohl nur in der Craft Bier Welt zu finden ist. Der Brauer braut da eben in erster Linie für den eigenen Geschmack – und der ist bei Günther sicher im positivsten Sinne so, dass er sicher gestandene Fernsehbiertrinker schlagartig überfordert.

Hexenritt-EtikettDie Gose, ein alter deutscher Bierstil, der seine Wurzeln geografisch in der Stadt Goslar im Harz hat, liegt ihm dabei irgendwie besonders am Herzen. Und lange war er in Österreich sicher auch ganz alleine mit einer kommerziell gebrauten Gose. Am Craftbierfest in Wien dann im vergangenen Jahr gab es dann aber gleich drei zu verkosten (z.B. eine vom Brauwerk). Ich glaube gespürt zu haben, dass er sich ein kleines bisschen gefreut hat, das seine Arbeit hier Früchte trägt und sich multipliziert. Denn der Kundenkreis bleibt immer klein – eine Gose ist sicher noch sehr weit weg von „Mainstream“.

Immer wieder werden aber auch die bewährten und gleichermaßen beliebten Rezepte überarbeitet, weiterentwickelt oder in kleinen Chargen auch mal neu interpretiert. So geschehen auch mit der Gose aus der irgendwann Ende des letzten Jahres die ersten Fässer als „Powergose“ auf Festivals auftauchten. Nie aus der Flasche – immer nur in kleinen Mengen. Kennertrunk eben.

Achtung Spoileralarm

Jetzt aber naht die Weihnachtszeit mit großen Schritten und es ist damit auch wieder Zeit für den „Kalea Bierkalender“. In diesem Jahr, wenn ich das richtig verstanden habe, werden so nicht nur 24 verschiedene Biere enthalten sein, sondern auch 24 verschiedene Bierstile. Da passt ein „Exot“ wie die Gose natürlich hervorragend. Und weil die Winterzeit auch Starkbierzeit ist, passt eine „Powergose“ noch viel besser. Und so wird sich hinter einem der Türchen heuer auch die „Powergose“ befinden und damit eine sehr große Zahl an Bierfreunden zum ersten Mal mit diesem Bierstil in Kontakt bringen.

Seine Wanderbrauerzelte hat Günther für dieses doch etwas größere Projekt in der Schremser Brauerei bei Karl Trojan, der selbst ja ein ausgesprochener Craftbier Freak ist und hier für dieses Projekt ein offenes Ohr hatte.

Für die Powergose musste dann aber auch ein passender Name her. Da der Brocken im Harz unweit der Stadt Goslar liegt und hier ja alljährlich in der Walpurgisnacht der Hexentreff ist, lag ein „Hexenritt“ auch thematisch passend nah. Beim Etikett hat der Bierzauberer aber „arbeiten lassen“ und eine Zeichnung seines Sohns verwendet.

Genug der Vorrede – wie ist sie denn nun, die „Hexenritt – Powergose“?

Hexenritt-ImGlasAm Schaum kann es schon mal nicht liegen, eine kräftige weiße Schaumdecke liegt auf diesem dunkelgoldenen bis bernsteinfarbenen naturgetrübten Bier. In der Nase dann eine bekannte Bierzauberer Gewürznote: Koriander! Und zwar kräftig. Wahrscheinlich scheiden sich hier schon die ersten Geister. Aber ich finde das eigentlich sehr angenehm und wage mich an den ersten Schluck.

Und hier wartet auch schon die erste leichte Überaschung – nach deutlich salzigem und gewürzgepräftem Start kommt dann die Säure durch. Aber bei weitem nicht so sehr wie ich es bei einer „Powergose“ vermutet hätte. „Power“ bezieht sich hier wohl eher auf den Alkoholgehalt – die Gose Thematik spielt sich eher im angenehmen Bereich ab. Puh, nochmal Glück gehabt, ich hatte da schon so leichte Befürchtungen gehabt.

Aber von dem „Power“ durch den Alkohol schmeckt man eigentlich auch sehr wenig. Ein sehr kräftiges aber absolut rundes ausgewogenes Bier, das den Alkohol gut versteckt. Die Säure begleitet angenehm weiter durch dieses Bier und nimmt im Verlauf nochmal etwas zu, ohne aber jemals aggressiv zu werden. Doch ehrlich gesagt, etwas mehr „Bumms“ bei der Säure hätte ich mir jetzt schon gewünscht. Die Kohlensäure ist sehr kräftig gehalten und ich muss gestehen, so viele Gosen hatte ich noch nicht, um das einordnen zu können, hier passt es aber zum Gesamteindruck. Die Trinkbarkeit nimmt (leider, bei 7,3 ABV) dadurch auch zu. Egal, ist schon spät.

Kommt da etwa jetzt noch etwas leichte Zitrusfrucht hinzu? Ich kann mich nicht so richtig entscheiden, aber ja, ich glaube schon.

Im Finish dann eher würzig gehalten, die Säure verfliegt etwas, vermutlich nur, um im nächsten Schluck wieder auf mich zu lauern. Ein leichter salziger Ton bleibt im Mund, Gose eben. Irgendwie werdet ihr jetzt vielleicht verwundert sein, aber ich finde diese Gose eigentlich genial, um mit Sauerbieren anzufangen. Wenn mich mal wieder jemand fragt, dann wird meine Antwort „Powergose“ sein. Hoffentlich gibt es die dann noch oder schon wieder. Wer den Kalea-Bierkalender hat, der kann sich wirklich auf den Tag freuen an dem die Hexe aus dem Türchen fliegt.

proBIER-Wertung: Wertung4s..
Alkohol: 7,3 Vol%
Stammwürze: 16,9 °P
Trinktemperatur: 8 – 10 °C
Bierstil: Starkbier Gose
Anschrift: Bierzauberer GmbH
Dipl. Braumeister Günther Thömmes
Leopold Gattringer Straße 55
2345 Brunn am Gebirge
+43-664 521 55 71
[email protected]
www.bierzauberer.info

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