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Bier Leben – Das „All in one“ Bierbuch von Olli Wesseloh

Bier Leben – Das „All in one“ Bierbuch von Olli Wesseloh

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Es gibt so Bücher, denen geht es wie einer angebrochenen Tafel Schokolade. Die legt man erst wieder weg, wenn sie aufgegessen ist. Vielleicht nur halb… und den Rest dann Morgen… Geht nicht!

BierLeben-LiebeserklaerungSo ähnlich ging es mir, als der Verlag von Olli mir sein neues Buch nach Hause geschickt hat. Glück gehabt, denn ich kam gerade von einem Biertrip aus den USA zurück und war froh im Flieger schlafen zu können, mit dem Buch wäre das sicher nix geworden.

Ich bin ehrlich, ich habe das Buch in wenigen Stunden ausgelesen – und das lag nicht daran, dass ich es nur schnell mal überflogen habe. Ich fand einfach so viele nette Geschichten und Anekdoten darin, dass ich tatsächlich das Buch erst wieder weggelegt habe, als ich Ollis Nachwort gelesen habe.

Dabei ist es gar nicht einfach dieses Buch einzuordnen. Es ist von allem ein bisschen. Sachbuch, Interview, Roman, Autobiografie, Lehrbuch, usw.. Solche Versuche können auch mächtig in die Hose gehen und dann ist das Buch am Ende irgendwie eine Sammlung Papier, das kein Thema richtig behandelt hat. Ich kann alle beruhigen: In diesem Fall ist das nicht so.

Am Anfang steht die Liebe. Und zwar die Liebe zum Bier. In wenigen Seiten erfährt der Leser wie der Autor sich mit dem Virus angesteckt hat. Auch wenn uns sicher viel unterscheidet, aber ich habe mich an vielen Stellen wiedererkannt. Und wenn es nur die Liebe zu den Bieren von Firestone Walker ist, die wir offensichtlich teilen. Und dann geht es auch schon los, schnell etwas kompakte Biergeschichte und rein in die „Bierszene“ weltweit, die auch wieder neben Geschichte und Fakten Interviews zu bieten hat, die in den Text eingebaut sind. So kommt für Europa James Watt von Brewdog zu Wort. Es bleibt aber bei Europa und den USA – die anderen Kontinente hätten wohl den Rahmen gesprengt. Asien hätte ich zum Beispiel noch sehr spannend gefunden.

BierLeben-KrinesEine ausführliche Betrachtung bekommt dann aber der deutsche Markt und ja letztlich auch der Heimatmarkt von Olli mit seiner eigenen Brauerei. Viele Kollegen werden vorgestellt. Von „AleMania“ über „Schoppebräu“ bis „Hanscraft & Co“ sind alle Größen der deutschen Szene dabei – zumindest die bekanntesten Namen. Im Falle von Christian Müller gibt es auch nochmal seinen Ärger mit dem Bayerischen Brauerbund in Sachen „Bayerisch Nizza“ zum nachlesen.
Und selbstverständlich bekommt auch das Reinheitsgebot seine eigene Passage in der Sinn und Unsinn aus den unterschiedlichsten Winkeln Beleuchtung finden. Und Bloggerkollege und „Bierat“ Norbert Krines darf dann zu diesem Lieblingsthema im Interview natürlich auch nicht fehlen.

Bei insgesamt 239 Seiten mag es jetzt etwas verwunderlich scheinen, dass es erst gut ab der Hälfte – exakt ab Seite 125 – des Buches um das Bier und seinen Inhalt geht. Was macht Bier zum Bier, was ist da eigentlich drin und vor allem warum? Und zu guter Letzt: Wie wird aus den Zutaten Bier? Sicher kein Kapitel, das jetzt für den ausgefuchsten Hobbybrauer viel Neues bringt, aber dennoch schön aufbereitet und ohne Längen. Da geht es knackig ans Werk. Das Interview mit Sam Calagione hätte ich gerne selbst geführt 🙂 – habe mich aber auch beim Lesen gefreut.

BierLeben-HanscraftGenauso knapp aber präzise gibt es noch eine Reise durch ein paar Bierstile – insbesondere auch solche, die in der Craftbier Szene zu einer neuen Bekanntheit gefunden haben – aber auch das klassische Altbier ist mit von der Partie. Beim Abschnitt wie man Biere verkostet plaudert der Biersommelier Weltmeister a.d. noch ein wenig aus dem Nähkästchen, um dann wieder ganz praktisch zu werden.

Heimbrauen läutet das letzte Kapitel des Buches ein. Letztlich nur konsequent, denn die lebendige Bierszene, die uns alle im Moment so fasziniert hat ihre Triebfeder sicher in einer lebendigen Heimbrauerszene. Und was daraus werden kann, das haben viele Granden der US Craftbierszene gezeigt und auch hier in Europa gibt es neben den „gelernten“ Brauern auch ganz viele Quereinsteiger, die nicht selten auch exzellente Biere brauen. Ob die Rezepte von heimischen Brauern auch genau die sind, die hinter ihren eigenen Bierkreationen stecken, das darf bezweifelt werden, aber es gibt sie eben noch als krönenden Abschluss: Die Anleitung zum Selbermachen!

BierLeben-SelberbrauenDie genannten 239 Seiten später lege ich das Buch zur Seite und habe oft geschmunzelt, durchaus neues Wissen mitgenommen und definitiv ein Buch in den Händen gehabt, das ich Leuten schenken kann, die ich intensiver mit dem „Biervirus“ infizieren will, aber auch unfallfrei einem bereits infizierten Freund mitbringen kann. Das Buch verliert sich in keinem Kapitel zu tief in der Materie, dass es langweilig würde – für solche Leser, die es dann fallweise noch genauer wissen wollen, muss jedoch dann weitere Literatur her.

Manchmal hatte ich das Gefühl, das Olli hier den Inhalt seines eigenen Bierblogs ausgedruckt und zum Buch gemacht hat, ohne natürlich jemals Blogger gewesen zu sein.

Bier Leben – Die neue Braukultur
Oliver Wesseloh
ISBN 978-3-499-62946-4
14,99 EUR [D] – 15,50 EUR [A]