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Live Blog: USA Craftbier Tour von Chicago nach Washington

Live Blog: USA Craftbier Tour von Chicago nach Washington

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Nach zwei Jahren ist es diesen Sommer wieder einmal soweit und eine Tour durch die USA steht an. Diesmal führt mich die Reise in den Osten Nordamerikas nach Chicago. von hier aus geht meine Route erstmal Richtung Osten an die Niagara Fälle, um dann die Reiseroute Richtung Südosten nach Philadelphia abzuändern. Sein Ende findet der Trip dann in Washington von wo es nach ein paar Tagen amerikanischer Hauptstadtluft dann wieder Richtung österreichischer Alltagsrealität geht.

03.Juli 2015

imageDen ersten Abend geht es stilecht ins „Weber Grill“ Restaurant wo sich mein erstes Bier mit Pulled Pork und Beef Brisket um meine Zuneigung matchen muss. Biertechnisch starte ich mit etwas mir unbekanntem Lokalen.Mein „Anti Hero“ IPA kommt von Revolution Brewing aus Chicago und macht schon von seiner äußeren Gestaltung einen tollen Eindruck. So muss wohl Craftbeer Revolution Bier aussehen. Aber auch die inneren Werte überzeugen mich. Eine kräftige Bittere mit geschätzten 70 IBU und eine echt intensive Grapefruit Note passen hervorragend zu meinem Essen. 6So kann es weitergehen.

04.Juli 2015

imageIndependence Day – Das bedeutet patriotischer Ausnahmezustand im ganzen Land. Schon das Frühstücksfernsehen verrät, dass Chicago 2015 zur Stadt mit den besten Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag gewählt wurde. Ich bin also am richtigen Ort.Direkt gegenüber des „Weber Grill Restaurants“ hatten meine Augen die „Rock Bottom Brewery“ erspäht. Noch dazu mit Dachterrasse – mein Dinner hatte schon ein Zuhause gefunden.Ein sehr lässiger Ort, um abzufeiern. Leider gibt es oben am Dach das Bier nur aus Plastikbechern. Ich habe mich ausnahmsweise für die Location entschieden. Mein erstes Bier war ein „Chicago Gold“. Schöne klare helle goldene Farbe.image 5,8% ABV und 25 IBU. Schaut auf den ersten Blick sehr unspektakulär aus – nach dem ersten Schluck ist aber auch hier klar: Der Braumeister muss ein Hopfenliebhaber sein. Trotzdem schön unkompliziert zu trinken. Meine zweite Wahl ist ein Summer Honey Ale dessen T-Shirt alle Bedienungen tragen. Auch hier scheine ich eine gute Wahl getroffen zu haben.image Mit 5,5% ABV und 28 IBU kaum schwächer im Alkohol, schmeckt aber kräftiger. Auch die Honignote ist angenehm intensiv ohne wirklich süß zu sein. Kurzer Blick gegen die Sonne, ja, das ist wirklich ein sommertaugliches Bier.

05.Juli 2015

Die Stadt schläft sich noch den Rausch der Feierlichkeiten aus, als ich mich auf die Socken mache. Eine wirklich schöne Stadt – aber das es laut Nachrichten in der Nacht 13 Tote downtown bei mehreren Schießereien während des Feuerwerks gegeben hat, das stimmt mich doch etwas nachdenklich. Mein heutiges Etappenziel ist Saugatuck am Lake Michigan. imageHier gibt es „zufälligerweise“ auch die gleichnamige Brewing Company. Schon im Supermarkt war mir aufgefallen, dass diese Brauerei offensichtlich Einiges an Bierstilen zu bieten hat. Ich sollte nicht enttäuscht werden. Mit einem Madarina IPA wollte ich mir den ersten Durst nehmen – wäre dann aber fast nicht mehr losgekommen. Der verwendete Mandarina Bavaria Hopfen gibt diesem IPA eine derartig intensive fruchtige Note, die ich in dieser Form noch nicht mit diesem Hopfen erlebt habe. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Braumeister erfahre ich, daß diese Brauerei als eine von Wenigen auf das Experimentieren mit internationalen Hopfensorten setzt. Mandarina Bavaria ist dabei wohl in den benötigten Mengen nicht so einfach zu bekommen. Überhaupt war er verwundert, dass diesen Hopfen mal jemand kennt. Okay, zu erkennen gegeben.imageUnd schon war zu meinem „Brewers Burger“ das 6er Sampleboard Pflicht. Von einem Blond über Milk Stout bis zum Barley Wine alles dabei. Beim Milk Stout überraschte mich aber die Erdbeernote. Es war aber nur noch die Bedienung da und konnte mir nicht mehr sagen, wie die entsteht. Wenn jemand hier eine Idee hat, dann bin ich für Hinweise durchaus dankbar. Der Burger hat für diese Reise die Latte schon früh sehr hoch gelegt. Einer der Besten, den ich seit langem hatte. Knuspriger Speck und eine tolle Rauchnote. So mag ich das.

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06.Juli 2015

imageSeewechsel! Vom Lake Michigan geht es an den Lake Erie. Wobei See ja eher ein Hilfsausdruck für diese Binnenmeere ist. Vorbei an Kalamanzoo, wo „Bells Brewing“ daheim ist, die zusammen mit Spiegelau das American Wheat Glas entwickelt haben. Schnell einen Vorrat eingepackt und weiter geht es. Eines muss man den Bells Bieren aber neidlos zugestehen: Die Label sind wirklich nett anzusehen. Da werde ich wohl etwas mit heimnehmen und das Spiegelau Glas dann mal so richtig in Action testen.

07.Juli 2015

Nicht immer hat man es wirklich leicht richtig gutes Craftbier in kleinen Dosierungen zu finden. Meist geht es mit einem Sixpack los und dann 12 oder 24 Flaschen.imageDa freut es mich dann immer besonders, wenn ich auf Geschäfte wie „U Pick 6“ in Erie stoße, die es ermöglichen ein Sixpack selbst zusammenzustellen. Noch einen netten Chat mit dem Besitzer gehabt, der mir seinen momentanen Favoriten „Lagunitas Sucks“ ans Herz gelegt hat. Ein Strong Ale mit knappen 8% ABV. Die Story dahinter ist, dass Lagunitas einmal im Jahr ein „Brown Shugga Ale“ braut. Heuer ging sich das aufgrund eines Umbaus im Sudhausgröße nicht aus. Als „Ersatz“ kam dafür das „Sucks“. Dies ist voll mit Citrusfruchtigem, meist sehr grapefruitlastigem, Hopfen und einer Mischung aus Gestenmalz, Roggen, Weizen und Hafer. Vermutlich recht überflüssig zu erwähnen, dass dabei ein Körper entsteht, der seinesgleichen sucht. Wirklich schön komplex. Auch bei diesem Bier sind die fast 8% ABV ziemlich gut versteckt. Eine sehr geniale Empfehlung muss ich sagen.

08.Juli 2015

imageAuch einmal spannend eine Erfahrung zu machen, dass Craftbiere aus Microbreweries hier in den USA nicht immer das gelobte Manna sind. Heute war bei mir etwas „Nachsitzen“ angesagt, denn ich hatte mir aus Erie noch ein Bier von der „Erie Brewing Company“ mitgenommen. Ein Scottish Ale mit dem Namen „Railbender“ wartet seit gestern noch darauf getrunken zu werden. Erie war wider Erwarten eine ziemlich trostlose Stadt. Schön am See gelegen ist hier eher gröbere Industrie daheim. Umso netter, wenn es dann vier Kleinbrauereien gibt. Eine davon ist eben die Erie Brewing Company. Das Scottish Ale ist nach dem Einschenken eines der hellsten, die ich jemals gesehen habe. Farblich hätte ich hier einen viel tieferen braun Farbton erwartet. Mit 6,8% ABV und 26 IBU bei 16,5 Grad Plato sind die Voraussetzungen doch eigentlich gar nicht so schlecht. Die Nase rümpft sich aber recht schnell. Malzige, leicht nussige Noten mit etwas Pflaume und Zitrusfrüchten, die aber allesamt extrem künstlich wirken, sind dafür verantwortlich. Auch mit dem ersten Schluck geht es in diesem Stil weiter. Eine sehr unausgewogene karamellige ebenfalls unnatürliche Süße macht sich schlagartig im Mund breit. Irgendwie habe ich den Eindruck als würden sich noch Kirscharomen hinzugesellen. Zusammen mit einer zunehmend intensiveren Hopfenbittere finde ich das einfach nur noch merkwürdig. Irgendwie will da so ganz und gar keine Harmonie aufkommen. Die Kohlensäure ist erstaunlich fein und intensiv für diesen Bierstil. Im Nachtrunk verlieren sich die fruchtigen Aromen dann deutlich und es bleiben die hopfenbitteren Noten an Zunge und Gaumen zurück. Dieses Bier ist es dann definitiv nicht. Schade, aber auch solche Erfahrungen gehören wohl dazu.

09.Juli 2015

imageMein Weg führt mich heute wieder vom Bundesstaat New York nach Pennsylvania. Alleine schon die Namen der Städte und Firmen am Wegesrand geben klare Hinweise auf die Herkunft der Siedler vor gut 200 Jahren. In Saint Mary, dem ehemaligen Marienstadt, ist seit 1872 die „Straub Brewing Company“ mit der Herstellung von Bier beschäftigt. Auch hier geht die Geschichte auf einen Hernn Straub aus Deutschland zurück. Beeindruckend, denn Gründung der Stadt und Brauerei fallen auf das gleiche Jahr. Hier wurden die Prioritäten offensichtlich gleich richtig gesetzt. Für eine Tour komme ich zu spät, aber im Taproom darf man sich als Gast frei austoben. Und die Einheimischen machen reichlich davon Gebrauch. Pils, Hefeweizen und Kölsch sind dann auch nur logische Bierstile, die am Hahn zu Feinden sind. Ich bin ja eigentlich kein Kölsch Fan, aber die amerikanische Interpretation gefällt mir gut. Auch das IPL freut meinen hopfensüchtigen Gaumen. imageNachdem ich mich als „Wiener“ zu erkennen gegeben habe ist das Hallo im Raum groß, denn das neueste Straub Bier ist ein „Vienna Lager“. Ein Flasche eingepackt und mitgenommen, denn heute müssen noch Kilometer gemacht werden.

Im Motel angekommen gleich die erste Schrecksekunde: „Tornadowarnung“ – und wer die USA kennt, das meinen die ernst. Zum Glück alles nach einer Stunde wieder vorbei, aber definitiv Zeit für das mitgebrachte „Vienna Style Lager“. Schöner fingerdicker Schaum auf einem für meinen Geschmack etwas zu hellen Bier. In der Nase sehr intensive natürliche getreidige Malznoten. Im Antrunk eine kräftige aber unaufdringliche Süße. Das Gegebgewicht bildet eine sanfte bittere Hopfennote, die eine sehr harmonische Balance herstellt. Die Kohlensäure ist eher zurückhaltend und fein, was sicher ebenfalls gut in das positive Gesamtbild passt. Im Ausklang dann eher leichte Hopfenbittere. Insgesamt ein sehr gelungener Vertreter seines Stils. Well done guys!

10.Juli 2015

imageBiertechnisch geht es heute nochmal zurück in den Staat New York. Hier liegt die Stadt Lakewood aus der die „Southern Tier Brewing Company“ kommt. Die Liste der Biere, die hier gebraut werden ist schier endlos. Ich entscheide deshalb mal nach dem Etikett und lande bei einem Session Pale Ale namens „Live“. Jawoll das mache ich mir auf. Das Label wirkt wie eine Collage aus Konzerttickets. Also vermutlich eine sommerliche Hommage an die Open Air Saison. Farblich ist dieses Bier hell, aber sehr intensiv Gelb. Fast schon wie eine echte Zitrone. Das Bier hat als Namenszusatz auch „Citrusy“. Von der Farbe her gibt es schon mal meine Zustimmung. Meine Nase stimmt aber auch sofort zu. Kräftige Zitrusaromen finden ihren Weg unter der käftigen weißen Schaumkrone hervor. Daneben grasige und leichte kräuterige Hopfennoten. Und natürlich intensive süßliche Malzaromen. All das bestätigt sich im ersten Schluck. Stand da wirklich Session Pale Ale am Etikett? Ah, okay 5,5% ABV, das ist es was man hier unter Session versteht. Schöne brotige Noten im Mittelteil um einen nurmehr leicht süßlichen kräftigen Malzkörper. Ob des Schaums erstaunlich zurückhaltende Kohlensäure. sehr feinperlig und fast etwas cremig. Im Nachtrunk eine kleine schärfere Hopfenbittere und etwas würziger bevor es mit den kräftigen Zitrusnoten und etwas tropischen Früchten wieder langsam ausklingt. Also ich wäre bei dem Bier bereit für Livemusik.

11.Juli 2015

Mit meinem Six-Pack, das ich mir vor ein paar Tagen zusammenstellen durfte, mache ich heute einmal weiter. Nicht immer sind es nämlich Biere aus der Region, die auf meiner To-Do Liste stehen.15-07-12-DechutesFreschsqueezedIPAAuch hierzulande bekannte, aber schwierig zu bekommene Brauereien, sind auf meinem Radar. So hatte ich mir eine Flasche „frisch gepresstes“ Deschutes IPA mitgenommen. Über das „Fresh Squeezed IPA“ hatte ich bereits gelesen, kaufen konnte ich es aber nicht. Also nachgeholt. Ein IPA für Zitrusfetischisten – und zwar von vorne bis hinten. Dieses Bier macht aus dem verwendeten Hopfen so gar kein Geheimnis. Unmengen an Citra und Mosaic Hopfen müssen hier verwendet worden sein. Beim Einschenken ist das Bier erstmal optisch nicht sehr zitronig. Kräftige goldene, leicht kuperne Farbe mit einem leicht cremefarbenen mittelporigen Schaum. In der Nase dann aber das volle Programm: Zitrone bis Grapefruit und wieder retour. Das hier ein Bier im Glas ist, das ist zumindest in der Nase nicht sofort klar. Auch beim Antrinken ist dann die Zitrusfrucht das komplett dominierende Element. Hinzu eine schöne satte Malznote, die dann wieder geraderückt, dass man hier dann doch ein Bier trinkt. Für ein IPA fehlt es mir ein wenig an der Bittere, die eher im mittleren Bereich liegt. Die Kohlensäure ist dafür eher gröber und mittel bis intensiv. Hier will jemand wohl Punkte bei der Erfrischungswertung sammeln – gelungen! Auch im Nachtrunk bleibt es wenig bitter, dafür kommt eine leichte Karamelnote durch – das Finish bleibt aber „zitrusfruchtdominiert“. Solide Angelegenheit, vielleicht etwas mehr Bitterhopfen und die Sache wäre perfekt. Aber das ist auch heute wieder Jammern auf hohem Niveau.

12.Juli 2015

15-07-13-2Story01Heute steht der Kompass auf Osten und es geht wieder ans Wasser – diesmal aber bekomme ich die Ostküste der USA tatsächlich zu sehen, denn Philadelphia liegt ja nicht an einem der großen Seen, sondern am Atlantik. Das diese Stadt pulsiert und gleichzeitig eine extreme lässige Art hat, das spürt man schon nach wenigen Minuten, wenn man einmal zu Fuß in der Innenstadt unterwegs ist. Kulturelle Vielfalt von Chinatown bis zum Irish Quarter, Italienische, Spanische Restaurants. Alles da und man sitzt draußen auf der Strasse. Mit meiner „Brewery Map“ App habe ich gleich in der Nähe meines Hotels eine Brauerei aufgespürt, die auch wieder deutsche Wurzeln hat. Noch dazu ist diese im „2.Stock“ des Gebäudes und hat folgerichtig den Namen „2nd Story Brewing Company“. Die Speisekarte macht auch Hunger, also los. Auch hier hat alles wieder mit Homebrewing begonnen – eine Passion wurde zum Beruf gemacht, nachdem am gleichen Ort „Triumph Brewing“ ausgezogen war. Drei Freunde – eine Farmerin, ein Heimbrauer und ein Restaurateur machten sich an die Arbeit dem alten Gebäude neues Leben einzuhauchen. Der Blick auf die Tanks im zweiten Stock ist von den meisten Plätzen über eine Öffnung in der Decke möglich, so ist man wirklich nah dran am Geschehen. 15-07-13-2Story02Mit einem 20 hl Sudwerk werden IPA, Vienna Lager, Amber Ale, Saison, Porter, Kürbis Ale und viele weitere Bierstile saisonal gebraut. Keine Frage, dass es da ganz schon voll werden kann, denn die Biere sind auch noch ausgesprochen gut. Regionalität steht ganz oben und so plant Debbie – die Farmerin – demnächst nicht nur ihren eigenen Hopfen sondern auch das Malz selber herzustellen. Meine Daumen sind gedrückt, das Bier kann nur davon noch besser werden.Für die Eigentümer wurde das Bierbrauen dann irgendwie auch zu einer zweiten Story in ihrem beruflichen Leben und so bekommt der Name schnell eine zweite Bedeutung. Ich habe den Abend mit einem klassischen „Sampleboard“ begangen, bei dem von Saison über IPA  und Porter alles dabei war und allen Bieren wirklich eine ausgezeichnete Qualität bescheinigt werden kann. Da versteht jemand sein Handwerk ausgesprochen gut.
Einziger Wehmutstropfen: Die T-Shirts waren ausverkauft. Ich hätte doch so gerne eines für meine Sammlung gehabt.15-07-13-2Story03

13.Juli 2015

Diese Tour ist eigentlich davon gekennzeichnet, das Pläne ständig umgeworfen und neu gemacht werden. Insbesondere gilt dies für die Reiseroute. Anfang und Ende waren fix – dazwischen hatte alles eine gewisse „Dynamik“. So kam es auch, dass heute die Route in Richtung Strand geändert wurde. Der Hausstrand von Philadelphia und Washington liegt nämlich im zweitkleinsten Bundesstaat der USA: Delaware. Delaware, Delaware, da war doch was….
15-07-14-Dogfishhead01 15-07-14-Dogfishhead02
Stimmt! Am Weg zur Küste liegt der wirklich kleine Ort Milton. Mit etwas über 2.700 Einwohnern also eigentlich nicht der Rede wert. Wenn nicht, ja wenn nicht dort eine der Adressen für amerikanisches Craftbier zu Hause wäre. Längst ist klar, dass es hier um „Dogfish Head Brewing“ geht. Eine Brauerei, die inzwischen zu den größten Craftbierbrauerein der USA zählt und einer nicht einmal 10 jährigen Geschichte eine Erfolgsstory erzählt, die so wohl wirklich nur in den USA möglich ist.
Natürlich habe ich hier einen Stop gemacht – die Brauerei stelle ich Euch dann aber in einem separaten Bericht noch einmal im Detail vor.15-07-14-Dogfishhead03

14.Juli 2015

Nach einem Tag am Strand und einem kurzen Aufenthalt im Emergency Room des lokalen Krankenhauses, der durch einen Insektenstich notwendig wurde, geht es nun Richtung der Bundeshauptstadt Washington DC. Bevor allerdings die City Limits erreicht werden ist noch ein kurzer Übernachtungsstop erforderlich, denn hier scheint ein Krabbenzentrum zu sein und an jeder Straßenecke gibt es frischgefangene Krabben und sonstigen Fisch. Was würde zu so einem Essen besser passen als ein schönes amerikanisches IPA.
Diesmal habe ich wieder etwas Lokales gefunden.
15-07-15-LooseCannonAus dem nahen Baltimore kommt die „Heavy Seas Brewing Company“, die unter dem Namen „Loose Cannon“ einige Bierstile im Programm haben. Mein „Hop3“ ist ein sehr klassisches amerikanisches IPA. Der Name „Hop3“ steht dabei für die dreimalige Hopfengabe. Einmal beim Hopfenkochen, einmal beim Whirlpool und einmal beim Hopfenstopfen. Es könnte auch „Hop6“ heissen, denn sechs Hopfensorten, nämlich Warrior, Simcoe, Palisade, Centennial, Cascade und Citra haben bei der Herstellung Verwendung gefunden.
Mit einer kräftigen, leicht orangenen Farbe (das Bild täuscht ob der Abendsonne etwas) kommt das Bier in den (leider wieder einmal) Plastikbecher. Das die Aromatik voll von Zitrusfrucht, insbesondere Grapefruit, ist, das lässt sich schnell erahnen. Aber auch schöne kräftige Kräuternoten sind enthalten. Im Antrunk sind die 45 IBU eigentlich kaum zu spüren, denn florale und kräftig malzige Noten wirken hier deutlich entgegen. Ein sehr cremiges Mundgefühl stellt sich ein. Die Kohlensäure ist eher mild und fein gehalten.
Dieses IPA ist wirklich hervorragend ausbalanciert und ist zu recht das Flagschiff der Brauerei.
Im Nachtrunk tendentiell eher malzige und säuerliche Zitrusnoten. Die Bittere kann sich hier nach wie vor kaum durchsetzen.

15.Juli 2015

Washington DC – die Hauptstadt der USA ist erreicht. Diese Stadt ist wirklich voll von Politik und Landesgeschichte: Capitol, Weisses Haus, Pentagon (inkl. 9/11 Absturzgedenkstelle), Lincoln Memorial, Washington Memorial und noch gefühlte 100 andere Memorials, die zumindest zum Teil angesehen werden wollen. Am ersten Abend ist mir deshalb dann eigentlich nur noch nach einem schnellen Abendessen und einem tiefen Schlaf, um meine beleidigten Füße wieder ein wenig zu beleben.
15-07-16-60MinuteIPAGut dass es beim Asiaten meiner Wahl nicht nur ausgesprochen gutes Essen gibt, sondern auch als einziges Bier ein „60 Minute IPA“ von Dogfish Head. Da ich dieses Bier in der Brauerei selbst ausgespart habe, bietet sich nun unverhofft die Gelegenheit dazu.
Aber das „60 Minute IPA“ ist auch für Dogfish Head eine Art „Maskottchen“. Dieses Bier steht für die Brauerei wie kein anderes und ist auch das meistverkaufte Bier der Brauerei. Der Name steht für die 60 Minuten Hopfenkochen bei der der Hopfen kontinuierlich zugegeben wird – mehr dazu in meinem Detailbericht über Dogfish Head in ein paar Tagen.
Eingeschenkt ist das Bier tief Orange und hat nur eine mäßige Krone. Der Schaum, der sich bildet ist dann aber fein und schön weiß. Auch bei diesem Bier besteht die Hopfenmischung aus Warrior, Amarillo und einem „Mystery Hop X.“. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, das auch hier bei diesem IPA die Aromatik mit kräftigen Grapefruit Noten startet. Begleitet von einem orangenschaligen Aroma, etwas Karamell und brotigen Malztönen. Laut Etikett erwarten mich knackige 60 IBU – ich finde es eher etwas milder in Bezug auf die Bittere. Aber dennoch sind Zitrusfrucht und schöne karamellige Malznoten das Gegengewicht zu den Bittereinheiten. Eine feine, eher intensivere Kohlensäure fällt eigentlich erst im Mittelteil auf, passt aber schön in das Gesamtbild. Insgesamt sehr ausgewogen und ausbalanciert. Im Finish dann auf einmal etwas floraler dafür jetzt deutlich bitterer. Für mich ein geniales IPA, das man jeden Tag einfach und umkompliziert trinken kann. Schade, dass es das hier so selten zu kaufen gibt.

16.Juli 2015

15-07-17-NewBelgiumSunnyriderHach ich kann Euch gar nicht sagen, wie ich das Hasse! Geile Biere und dann gibt es nur Plastikbecher. Irgendwie ist es schon klasse und macht mich neidisch, dass man hier an fast jedem Würstelstand wirklich gute Biere bekommt, dann aber immer diese wabbeligen Plastikbecher dazu, die noch dazu jedes Geschmackserlebnis sensorisch verderben. Genug gejammert – verstehe ich ja schon, das man nicht immer Glas haben kann, aber nerven tut es trotzdem. Vielleicht sollte ich beim nachten Mal ein gescheites Glas in mein „Survival Equipment“ packen. Heute war es also mal wieder soweit: Tolles Burgerlokal, geniales Pulled Pork Sandwich – und ein New Belgium – Slow Ride IPA dazu. 4,5% ABV. Zugegeben die Auswahl war dieses Bier oder ein Corona. Na gut, man kann eben nicht immer gewinnen. Das „Slow Ride“ ist ein Session IPA mit einer schönen kräftigen gelben Farbe. Satt getrübt und ein schwächerer aber schneeweißer Schaum obenauf. Süßere Malnoten mit fruchtigen – wenig überraschend zitrusfruchtigen – Aromen. Im Antrunk dann auch eher sanft gehalten, zitrussige Noten, leicht süßlich, aber leider viel zu wenig Bittere für ein IPA nach meinem Geschmack. Man spürt schon den Bitterhopfen, aber so richtig zur Entfaltung kommen darf er irgendwie nicht. Etwas Pinie rundet das insgesamt aber eher unspektakuläre Bild ab. Trotz der eher dünn ausgefallenen Schaumdecke ist die Kohlensäure dann doch vergleichsweise lebhaft. Das „Slow Ride“ hat sicher großes Potential in Punkto Erfrischung. Kernig knapp und gut zu trinken. Im Finish kommt dann die Bittere ein wenig intensiver durch, aber für ein IPA – auch wenn es „Session“ in der Bezeichnung trägt – für meinen Geschmack zu wenig. Ein klassischer Vertreter aus der Abteilung „Ganz okay, ohne wirklich vom Hocker zu reißen“ – muss und darf es ja auch geben.

17.Juli 2015

15-07-18-DCBrau-ThePublicDer letzte Abend in der Stadt und noch habe ich es nicht geschafft ein Bier aus Washington DC selbst zu trinken. Das zu ändern ist der definitve Plan von heute Abend. Und dann biege ich beim Hotel einmal falsch (oder doch richtig?) ab und stehe vor „Maddy´s Tap Room“. Das Lokal hatte ich doch gesucht und jetzt unverhofft gefunden. Lokale und überregionale Biere aus Fass, Flasche und Dose. Und da waren sie auf einmal auch: Die Biere aus DC selbst. Aber fein der Reihe nach: „DC Brau“ ist vermutlich irgendwann mal das „ä“ abhanden gekommen – oder man hat gleich darauf verzichtet. „DC Brau“ ist nach 53 Jahren seit 2009 die erste Brauerei die in der amerikanischen Hauptstadt beheimatet ist. Und auch hier waren es zwei Bierfreunde, die abends in Bar unterwegs waren und sich ärgerten, dass kein Bier aus der Stadt selbst am Hahn verfügbar war, die diesen Umstand beendeten. „The Public“ ist dabei das Flagschiff der Brauerei, ein Pale Ale, das heute Abend ganz oben auf meiner „To Do “ Liste stand.
„The Public“ – eigentlich „nur“ ein Pale Ale  macht schon nach dem leeren der Dose in ein Glas (!) optisch echte Freude. Eine tolles Bernstein begrüßt mich. Beim Schaum war man etwas sparsam – mehr als ein Finger breit hätte aber ohnehin nicht in das Glas gepasst. Dafür ist der wenige Schaum, der sich bildet, ganz schön hartnäckig. American Pale Ale – was erwartet die Nase da? Richtig Zitrusfrucht – und ich sollte nicht enttäuscht werden. Zusammen mit leichten Malztönen und grasigen Hopfennoten freue ich mich schon echt auf den ersten Schluck. Und auch hier werde ich nicht enttäuscht. Die Aromen bestätigen sich im Antrunk – aber was sofort auffällt ist die kräftige aber nicht übertrieben aufdringliche Bittere. Genial. Blick auf die Dose: Nur 40 IBU? Kann ich fast nicht glauben. Technisch gesehen wartet das Bier zusätzlich noch mit 6,0% ABV auf. Eine tolle Balance zwischen Zitrusfrucht und blumigen Noten ist es was mich neben der Bittere bei diesem Bier begleitet. Tolles vollmundiges Mundgefühl und mit seiner feinen Karbonisierung auch herrlich cremig an der Zunge. Für mich ein echtes Highlight in bieriger Hinsicht dieses Urlaubs. Schöner mittlerer Körper, nicht zu intensiv – aber eben passend. Dieses Bier ist einfach rund und ausgewogen in jeder Hinsicht. Nicht allzu komplex, dann auch im Finish wird der Hopfen dann wieder etwas grasiger und die fruchtigen Aromen verabschieden sich. Auf der Zunge und am Gaumen bleibt die Bittere schon erhalten und erinnern daran, den nächsten Schluck nicht allzu lange aufzuschieben.
15-07-18-AtlasRyeAleGut vorgelegt hat „DC Brau“ jetzt mal – da fällt mir noch ein zweites Bier aus Washington DC auf der Karte auf: „Rowdy“ ein „Rye Ale“ von Atlas Brew Works. Insbesondere der Zusatz „Hop Forward“ lässt mich aufhorchen. Na dann bitte: Bringe er mir ein Roggen-Döschen! Und er brachte! Drei Hopfensorten sind hier verwendet worden – das ist wohl mit „Hop Forward“ gemeint. Roggen Ale muss dunkel und braun – und ich werde nicht enttäuscht. Eine schöne Haselnussfarbe mit opaler Trübung ist wirklich optisch auch schon mal ein guter Einstieg. Und auch der Schaum ist hier deutlich intensiver ausgefallen als bei den Kollegen von DC Brau. Kräftig, schöne bräunlich cremige Farbe und mit einer mittleren Pore. In der Nase die schöne bittere Roggennote mit karamelligen Tönen. Hier wurde also ganz offensichtlich auch bei den Malzen nicht gespart. Und auch die fast schon unvermeidbare Zitrusnote will sich bei diesem Bier einstellen. Fast schon übertrieben neugierig bin ich jetzt auf den ersten Schluck – hält das Bier, was die Nase verspricht? Es hält! Schöne Roggennoten, etwas Röstmalz und Karamell. Einfach geil! Auch hier halten sich blumige Hopfennoten, Bittere, leichte Malzsüße Töne und fruchtige Zitrusnoten die Waage. Das Bier ist wirklich deutlich komplexer als ich es erwartet hätte. Lebhafte, aber eher gröbere Kohlensäure. Im Alkohol legt dieses Bier mit 6,2% ABV nochmal leicht nach. Mit seinen 61 IBU ist es auch an dieser Front kein sanfter Begleiter – wollte ich aber auch nicht und bin nicht enttäuscht worden. Im Finish dann nochmal schön würzig. Ooooch, also ich würde sagen, der Urlaub ging mit zwei echten Schätzchen zu Ende.

Final words

Die Ostküste ist landschaftlich wirklich komplett eine andere Liga als der Westen, den ich vor zwei Jahren besucht habe. Biertechnisch steht er aber in nichts nach. Gute Brauereien, teilweise mit wirklich gutem Essen, sind einfach fast an jeder Strassenecke zu finden. Und gibt mal sich als europäischer Bierfreak zu erkennen, dann hat man für den Rest des Abends Gesprächspartner sicher. Um es auch diesmal mit den Worten eines Steirers zu sagen: „I´ll be back!“