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proBIER on tour: Guinness Brewery, St.James Gate – Dublin

proBIER on tour: Guinness Brewery, St.James Gate – Dublin

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Im Rahmen der Bierbloggers Conference waren wir nun schon einmal in Dublin – und was darf man als Bierfreund in Dublin keinesfalls verpassen? Richtig einen Besuch am St.James Gate wo Guinness seine dunklen Biere braut und um die ganze Welt verschifft.

The ChurchErstaunlicherweise waren wir der Geschichte des Hauses Guinnes schon die ganze Konferenz über sehr nah gewesen ohne es zu wissen. „The Church“ – das Lokal in dem wir tagten, war wie der Name schon sagt früher eine Kirche – allerdings auch die „St.Marys Church“ in der Arthur Guinness 1761 geheiratet hat.

Safety-FirstWir wurden freundlicherweise von Guinness eingeladen uns die Brauerei anzusehen. Schon im Vorfeld wurde ein großes Geheimnis aus dieser Tour gemacht, irgendetwas ganz besonderes sollte dort passieren. Wir waren also schon einmal sehr gespannt. Zu Fuß machten wir uns auf den Weg zum St.James Gate und wurden von Master Brewer Feargal Murray persönlich in Empfang genommen. Eine große Geste, dass der „Chefbraumeister“ persönlich sich die Ehre gibt. Aber es sollte noch mehr kommen. Wie allgemein üblich ist Sicherheit in angelsächsischen Ländern eine Top-Priorität und so fanden wir uns in Warnwesten mit Schutzbrillen und chicen Besucherausweis wieder.

Feargal Murray
Feargal Murray

Im Rahmen der kurzen Begrüßung von Feargal Murry wurde auch das „große Geheimnis“ gelüftet. Wir würden heute das neue Sudhaus #4 sehen. Dieses ist noch gar nicht offiziell eröffnet und wir werden bis September die einzige Gruppe sein, die es zu Gesicht bekommt. Eine große Ehre also, die den Stellenwert von Bloggern in Irland erneut eindrucksvoll unterstrich. Doch vorher gab es noch einen Einblick und Abriss über die Historie von Guinness an diesem Standort. So ist Guinness noch heute zu 51% im Familienbesitz der Familie Guinness. Der Rest gehört der internationalen DIAGEO Gruppe.

Auf über 20 Hektar steht nun die Brauerei im Südwesten der Stadt – zu Spitzenzeiten waren es sogar einmal 25 Hektar. Über 600 Mitarbeiter arbeiten hier – auch hier waren es in der Historie schon einmal 5.000 – und müssen nach eigenen Angaben das Firmengelände eigentlich nie verlassen, denn die Brauerei ist wie eine Stadt in der Stadt mit allen Einrichtungen, die man zum „überleben“ braucht. Inklusive einer eigenen Feuerwehr und Rettung – „einen Brand löschen“ bekommt so eine vöiig neue Bedeutung.

Brewhouse3
Brewhouse 3 – Nur noch wenige Tage in Betrieb

In diesen Tagen wurde das insgesamt erst vierte Sudhaus in der inzwischen über 250 Jahre alten Geschichte der Brauerei in Betrieb genommen. Und wir sollten es sehen dürfen. Leider war fotografieren streng verboten – denn die ersten Fotos möchte natürlich Guinness veröffentlichen. Aber ich kann bestätigen, dass es sicher mit zum Größten gehört was ich je gesehen habe. Denn hier wird jetzt die gesamte Jahresproduktion am Standort gebraut. Das sind nicht weniger als 6 Millionen Hektoliter und ist damit im Vergleich zur gesamten Jahresproduktion Österreichs (aller Brauereien zusammen ca. 8,5 Mio hl.) eine echte Hausnummer in einem Sudhaus. Aber nicht nur das schwarze Guinness Stout sondern auch Budweiser und Coors werden hier in Lizenz gebraut und machen gut ein Viertel der Gesamtproduktion aus. Aber natürlich ist das klassische Stout mit seinem Alkoholgehalt von 4,3Vol% noch das Flagschiffprodukt. Vom Fass wird es mit Stickstoff gezapft und dieser verleiht dem Bier seinen typischen cremig feinen Schaum.

Tunnel St.James GateAuch infrastrukturell hat die Brauerei eine durchaus bewegte Vergangenheit. Die Tatsache, dass das St.James Gate nachts geschlossen wurde machte zahlreiche unterirdische Verbindungsgänge erforderlich, damit auch nachts weiterproduziert werden konnte und alle Bereiche des Brauereiareals erreichbar waren. Auch heute noch dienen diese Gänge zur Medienversorgung und ermöglichen eine gute Erreichbarkeit der verschiedenen Bereiche für die Mitarbeiter, die zu Fuß auf dem Gelände unterwegs sind. Vor vielen Jahren gab es auch eine eigene Eisenbahn auf dem Gelände, die aber inzwischen stillgelegt ist. Stillgelegt wie das Sudhaus #3, das heute zwar noch in Betrieb ist – in einigen Tagen allerdings schon wird es außer Betrieb genommen, wenn Sudhaus #4 komplett übernimmt.

ExportGebraut wird im 24h/365d System – also die Auslastung der Brauerei stimmt. Und auch von Guinness selbst gibt es mehr Sorten und Stile als man es so kennt. Das Guinness Export zum Beispiel oder das Guinness Red sind nur zwei Beispiele für die Sortenvielfalt auch unter dem Namen Guinness. Nicht alle sind freilich auch überall zu haben. Und man ist mit Leib und Seele bei der Sache – so dürfen zum Beispiel einmal im Jahr auch die Mitarbeiter Biere brauen, die dann bewertet werden. Vom Siegerbier wird dann ein voller Sud gemacht, der professionell verpackt und „vermarktet“ wird. Leider aber nicht im Handel verkauft. Der diesjährige Sieger war das „Night Porter“ einer Mitarbeiterin aus der Buchhaltung. Wir durften es kosten und können bescheinigen: Wenn´s mal in der Buchhaltung nicht so läuft – die Dame hat definitv Talent. Inzwischen sieht wohl auch Guinness das so und überlegt wohl das „Night Porter“ ins Sortiment zu nehmen.

WiebkeAprospos Frauen – wir hatten das Glück Brauerin Wiebke aus Berlin kennenzulernen – Wiebke braut bei Guinness und ist für die Qualitätssicherung und den kontinuierlichen Verbesserungsprozess zuständig. Wir haben uns jedenfalls sehr gefreut mit ihr viel über Bier und das Leben als Brauer bei Guinness zu reden. Spannend auch, weil sie durch ihr Studium erst zur Bierliebhaberin geworden ist. Sicher eine der ungewöhnlichsten Karrieren von denen ich je gehört habe. Aber sicher eine der Spannendsten und Leidenschaftlichsten.

StorehouseFeargal Murry lud uns dann zu einer Verkostung mit Foodpairing ein, die es in sich hatte. Gepairt wurde mit „Fish&Chips„, „Austern“ oder allerlei anderen leckeren Köstlichkeiten wie z.B. Käsevariationen. Irgendwie war die Behandlung schon sehr aussergewöhnlich. Und auch bei den Mitarbeitern sah man das offensichtlich so. Im rausgehen kam hinter vorgehaltener Hand die Frage: „Wer seid ihr eigentlich, dass die das hier alles mit Euch machen und für Euch offenischtlich keine Limits gelten?“ – Es gab nur eine Antwort: „Nur Bierblogger!“