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Das Flüssige muss ins Durchsichtige: Spezialglas für Stout

Das Flüssige muss ins Durchsichtige: Spezialglas für Stout

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„Jeder Topf hat seinen Deckel“ sagt ein altes Sprichtwort und getreu diesem Motto dürfte sich der Glashersteller Spiegelau zum Ziel gesetzt haben dies auch für Biergläser umzusetzen. „Jeder Bierstil hat sein eigenes Glas“ könnte dann die Übersetzung lauten.

Chocolate Stout im Spiegelau GlasKlassische Gläser für Pils, Weizen, Lager, etc. gibt es von allen Glasherstellern in den unterschiedlichsten Interpretationen. Neu sind Gläser für Bierstile, die hauptsächlich in der Craftbier Szene anzutreffen sind. Hier hat Spiegelau vor über einem Jahr den ersten Schritt mit seinem IPA Glas gemacht. Dieses Glas wurde zusammen mit zwei amerikanischen Craftbier Pionier Brauereien entwickelt und zur Serienreife gebracht und erfreut nun IPA Fans auf der ganzen Welt.

Offensichtlich wird hieraus nun eine kleine Serie, denn das zweite dieser Craftbier Gläser wurde von Spiegelau kürzlich vorgestellt. Ich selbst hatte die Gelegenheit es auf der Braukunst Live einmal vorab zu testen. Weil ein Eindruck mir aber zu wenig war, habe ich mit Freunden ein kleines Stout-Tasting bei mir zu Hause durchgeführt und unterschiedlichste Stout Biere mit diesem Glas verkosten lassen und vor allem gegen „klassische Gläser“ antreten lassen.

Whisky Stout aus GablitzDas Ziel der Craftbier Glasreihe ist erklärtermaßen Gläser zu kreieren, die die speziellen Eigenschaften der jeweiligen Bierstile verstärken bzw. positiv unterstützen. So war es auch beim Stout Glas. Auch fortgesetzt wurde das Verfahren mit zwei Brauereien, die sich im jeweiligen Bierstil auszeichnen, zusammen zu arbeiten. Im Falle des Stout Glasses waren das Lefthand Brewing aus Longmont, Colorado und Rogue-Ales aus Newport, Oregon. Auch hier wurden in mehreren Runden aus vielen Glasprototypen solche ausgewählt, die den Anforderungen der Experten entsprachen. In der finalen Runde setzte sich dann der Prototyp „C“ bei Beiden durch und ist nun in den Handel gekommen.

Wie schaut aber denn nun ein Stout Glas aus? Auf den ersten Blick erkennt man eine deutliche Nähe zur Form des IPA Glasses. Und hier beginnt auch sofort das Ding mit der „Geschmacksache“. Meine Erfahrung ist, entweder man liebt es oder man findet es häßlich. Ich habe das Glas jetzt vielen Leuten gezeigt und darüber geredet. Die Reaktion ist immer gleich. Entweder etwas wie: „Das schaut aber stylisch/cool/schön aus“ oder ein „Gefällt mir gar nicht/häßlich“. Ich muss sagen, dass ich zur Gattung 1 gehöre. Mir gefallen beide Gläser sehr gut. Ich mag die Form sehr gerne und fand auch das geschmackliche Erlebnis beim IPA Glas sehr positiv. So hatte ich auch richtig Lust auf das neue Glas.

Betrachtet man das Glas einmal näher, dann fallen doch gewisse Unterschiede auf. Der Fuß ist bei dem Stout Glas nicht mehr geriffelt und auch das Stout Glas ist weniger hoch. Dafür ist es etwas bauchiger und auch die Öffnung etwas größer und der Fuß breiter. Wir waren wirklich gespannt wie sich das auswirken sollte.

Stout vs IPA
© Spiegelau [Montage proBIER.at]

Schwarzes Whisky Stout von GablitzerBeim Einschenken fällt uns sofort auf, dass sich der Schaum oben deutlich verdichtet. Die Weinglasartige Form, die sich nach oben hin deutlich verjüngt, erzeugt diesen Effekt. Der Schaum wird also obenauf deutlich kompakter und kräftiger. Durch diese Kompaktheit steht er dann auch deutlich länger und stabiler als man das gemeinhin z.B. von einem Pint Glas gewohnt wäre.

Nach einer gewissen Zeit macht dann der Schaum den Weg frei für die Aromen, die ebenfalls – wie von einem Weinglas – sich auf einer großen Oberfläche im unteren Bereich entwickelt und aufsteigen und dann von der kleiner werdenden Öffnung ebenfalls konzentriert werden. Tasting OARIS mit Spiegelau Stout GlasIm „Testfall“ des OARIS von Christian Müller und Thorsten Schoppe, das ja auch in einem „normalen“ Glas schon eine Aromabombe ist, gewinnt man das Gefühl, das es hier noch einmal einen Tick intensiver ist. Und ja, unsere neugierige Gegenprobe mit einem Teku Degustationsglas fällt zu Gunsten des Stout Glas aus.

Eine kleine Seitenbemerkung zu den Kristallgläsern, die ja auch von der Klarheit sich deutlich von anderen Gläsern abheben. Der Blick auf das Bier und die Farbwiedergabe ist einfach genial. Das Schwarz ist kräftig und funkelt geheimnisvoll. Auch hier gibt es von uns ein klares Plus gegenüber einem gewöhnlichen Glas.

Das Material des Glases selbst ist ähnlich dünn wie beim IPA Glas. Hier gab es vielfach Kritik, dass das Glas sehr empfindlich sei und fragil wirkt. Einen Eindruck, den ich zwar teilen kann, aber mir ist bislang weder ein IPA noch ein Stout Glas kaputt gegangen – und ich spüle alle diese Gläser mit der Hand. Der Eindruck mag also stimmen, in der Praxis halten die dann aber wohl doch einiges aus. Auch hier überwiegt aus meiner Sicht der Vorteil der geringeren Wärmekakazität dünnerer Gläser und dass das Bier so länger kühler bleibt und die Kohlensäure länger hält.

Der Fuß fällt uns dieses Mal nicht aufgrund seiner Eigenschaften in Bezug auf die Kohlensäure auf, die kam ja von den Rillen, sondern das nur wenig Bier im unteren Bereich verbleibt und die aromaentfaltende Fläche sehr lange im breiten Bereich des Glases und erhält diesen Effekt über mindestens 2/3 des gesamten Bieres.

Auch im direkten Vergleich zu Degustationsgläsern müssen wir sagen, dass der Eindruck in Sensorik und Haptik sehr vergleichbar ist. Aus meiner Sicht darf man aber nicht den Fehler machen, diese beiden Glastypen zu vergleichen. Bei dem Stout Glas handelt es sich – wie auch schon bei dem IPA Glas – um ein Glas, welches ein Gesamtvolumen von 600 ml vorweisen kann. Mit ca. 450 ml optimal befüllt liegt es so bei dem viereinhalbfachen Volumen für das die Degustationsgläser optimalerweise gemacht sind. Und bei dieser Füllmenge hätte das Stout Glas sicher definitive Nachteile.

Positiv ist auch zu bemerken, dass Spiegelau nun seinen Shop umgestaltet hat und auch für Endverbraucher akzeptable Lieferkonditionen bietet. Im Spiegelau Online Shop sind die Gläser zum Preis von 6,50 €/Stück im Zweierpack erhältlich. Auch bei Bier-Deluxe habe ich das Glas zu einem ähnlichen Preis gesehen. Natürlich sollte es das Glas auch im Haushaltswarengeschäft bzw. Glasfachhandel geben, hier habe ich aber selbst die Erfahrung gemacht, dass das Verkaufspersonal mit solchen Bestellungen inhaltlich völlig überfordert ist.

Unser Fazit: Ein tolles Glas für einen sehr spannenden Bierstil, der uns in dieser Kombination bei zukünftigen Tastings noch viel Freude machen wird.

LINK zum Spiegelau Online-Shop

LINK zum Bier-Deluxe Online-Shop

Auch zum Stout Glas gibt es wieder ein schönes Video mit den Vertretern der beteiligten Brauereien, das ich Euch nicht vorenthalten möchte.