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Stout – Ist das dunkle Bier das „neue IPA“ der Craftbier Szene?

Stout – Ist das dunkle Bier das „neue IPA“ der Craftbier Szene?

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Versucht Euch einmal zurückzuerinnern – wann habt ihr das erste Mal von einem IPA (India Pale Ale) gehört bzw. es zum ersten Mal getrunken? Bei den allermeisten meiner Bekannten und Freunde ist dies im Zuge der nach Europa bzw. auch Österreich schwappenden Craftbier-Bewegung passiert.

„Holy Shit“, um den Namen eines IPA von Thorsten Schoppe aus Berlin zu klauen, werden sich viele gedacht haben, als sie den ersten Schluck gemacht haben. Was? Das ist ein Bier? Hammer, was da für ein kräftiger Geschmack zustande gekommen ist. Ungewohnte Hopfen-Aromen und – vor allem für gut im Training stehende Märzenbiertrinker – eine ungewohnte Bitterkeit sind die ersten Eindrücke, die bei diesem Bierstil durch den Kopf schiessen.

Kein Bier? - Pax Peppermint Stout
In Deutschland kein Bier – Peppermint Stout von Pax Bräu

Gleichzeitig war es aber auch genau dieses IPA, das unmissverständlich wie kein anderer Bierstil klargemacht hat: „Hey, es geht geschmacklich auch ganz anders als das was ihr bislang gewohnt seid!“. Es waren also nicht sehr viele Worte nötig, um einem Einsteiger in die Craftbier Szene zu erklären, wie das Bier denn jetzt anders schmeckt. Zu groß war einfach der Unterschied zu den etablierten Supermarktbieren.

Dieses „being different“ hat dem IPA vermutlich in der Craftbierszene dazu verholfen lange als quasi DER Craftbierstil verstanden zu werden. Redete man über „Craftbier“, dann meinte man in 90% der Fälle ein IPA. Zumindest konnte es einem so vorkommen. Und auch die Bierfestivals und Messen noch im letzten Jahr haben ihren Teil dazu beigetragen. Kein Stand, der nicht mindestens ein Pale Ale oder ein IPA angeboten hätte. „Willst Du dazu gehören, dann brauchst du auch ein IPA!“, so schien die einfache Formel zu lauten.

Bei allem Positiven, das die IPAs zweifelsohne für das Image und die Verbreiterung der Craftbier Szene beigetragen haben, Craftbier kann einfach viel mehr. Man würde dem eigentlichen Spirit dieser Szene nicht gerecht werden, wenn man den Versuch unternehmen würde, alles auf einen Bierstil zu konzentrieren. Themen wie „Respekt“, „Gemeinschaft“, „Kooperation“, „Vielfalt“ und „Nachhaltigkeit“, um nur wenige Schlagworte zu nennen, ohne eine neue Diskussion um die Begrifflichkeit „Craftbier“ zu entfachen, sind ja nicht in einem Bierstil abbildbar.

Gerade das Thema der „Vielfalt“ brannte deutlich erkennbar in den letzten Monaten einigen Braumeistern unter den Fingernägeln. Es war zu spüren, dass einige alleine, andere gemeinsam auf der Suche nach neuen Bierstilen waren, auch um der inzwischen gereiften Szene nun auch wieder etwas Neues zu bieten. Ich bitte mich hier nicht falsch zu verstehen – natürlich waren viele Braumeister sehr kreativ am Werk, aber lange war unklar, wohin der nächste Trend führen würde.

Zumindest dieses Thema scheint geklärt, zumindest kristallisiert es sich in den letzten Wochen und Monaten heraus, dass die Braumeister der Craftbierszene nach dem Hopfen im IPA nun das dunkle Malz in den Stouts bestimmt haben, mit dem Staout die legitime Nachfolge des IPA als „Vorzeigecraftbier“ anzutreten. Und schon sind sie da: In Deutschland beispielsweise das OARIS (Oak Aged Russian Imperial Stout) von Christian Hans Müller und Thorsten Schoppe als Collaboration Brew, das zur Braukunst-Live seine Premiere feiert oder „Eric´s Stout“ aus dem Hause der Camba Bavaria, das auch hierzulande durchaus seine Anhänger hat. In Österreich sind es das Oatmeal Stout „Baja“ aus dem Brauhaus BEVOG, die „Männerschokolade“ – ein Chocolate Stout – aus dem Hause Stiegl oder aus den Reihen der Brauunion AG das Chocolate Stout aus dem Hofbräu Kaltenhausen, das übrigens im Gegensatz zu vielen anderen Chocolate Stouts ohne echte Schokolade auskommt.

BAJA Bevog Oatmeal StoutStout ist offensichtlich „in“.

Spannend eigentlich, denn mit diesem Bierstil konzentriert man sich nun nach dem Hopfen genau auf die andere Hauptzutat im Bier, das Malz. Längst vergessene bzw. selten verwendete Dunkelmalze, Rauchmalze, Caramalze oder sonstige Röstmalze sind nun der Stoff aus dem die neue Aromavielfalt gezaubert wird.

Eigentlich kann es kein Zufall sein, sondern eine sich abzeichnende Entwicklung, denn wie wäre es sonst zu erklären, dass der Glashersteller Spiegelau in diesen Tagen sein spezielles „Stout-Glas“ vorstellt und schon bald am Markt einführen wird. Mein Eindruck ist, das Stout ist momentan zum „Craftbier 2.0“ geworden – wobei ich das sofort zurücknehme, denn Vielfalt ist ja das worum es geht. Aber Begriffe wie „Craftbier-Trend“ oder „Craftbier-Mode“ wollen für mich auch so gar nicht passen.

Ich jedenfalls bin gespannt, wie viele Stouts, Imperial Stouts oder Porter am Wochenende auf der Braukunst-Live 2014 in München die IPAs herausfordern. Mir jedenfalls kann es recht sein – Biervielfalt ist doch eines der zentralen Themen an denen wir uns so sehr erfreuen. Wenn jetzt jedes Jahr sich ein Bierstil – neben allen anderen – als das „Craftbier des Jahres“ herauskristallisieren würde, dann wäre das doch eigentlich gar nicht so schlecht. Ich jedenfalls hätte Lust drauf!